Professionelle Hilfe bei familiären Problemen bekommst du auch dann, wenn deine Eltern nicht den ersten Schritt machen. Du kannst dich an die Schulsozialarbeit, eine Erziehungs- und Familienberatungsstelle, das Jugendamt oder die Nummer gegen Kummer unter 116 111 wenden. Die Gespräche können zunächst vertraulich und kostenlos sein. Bei Gewalt, akuter Bedrohung oder unmittelbarer Gefahr gehst du an einen sicheren Ort und rufst die Polizei unter 110; bei einem medizinischen Notfall rufst du 112.

Welche Anlaufstelle zu deiner Situation passt

Du musst nicht bereits wissen, wie dein Problem fachlich heißt. Beschreibe einfach, was zu Hause passiert und wobei du Hilfe brauchst. Die erste Stelle kann dich bei Bedarf weitervermitteln.

Die Schulsozialarbeit ist praktisch, wenn du während eines Schultags Unterstützung brauchst oder der Konflikt deine Anwesenheit und Leistung beeinflusst. Eine Vertrauenslehrkraft kann ebenfalls zuhören und mit dir den nächsten Kontakt herstellen. Frage zu Beginn, welche Informationen vertraulich bleiben und wann Erwachsene wegen einer Gefährdung handeln müssen.

Erziehungs- und Familienberatungsstellen unterstützen bei häufigem Streit, Trennung der Eltern, belastenden Regeln und Problemen zwischen Geschwistern. Du kannst bei der örtlichen Stelle nachfragen, ob Jugendliche allein ein erstes Gespräch führen dürfen und wie schnell ein Termin möglich ist.

Das Jugendamt ist zuständig, wenn du Schutz oder konkrete Hilfen im Familienalltag brauchst. Bitte am Telefon um den Allgemeinen Sozialen Dienst und sage deutlich, wenn du dich zu Hause nicht sicher fühlst. Außerhalb der Öffnungszeiten helfen Polizei und Notruf bei einer akuten Gefahr.

Wie du um Hilfe bittest, ohne alles erklären zu müssen

Ein kurzer, klarer Satz reicht für den Anfang. Du kannst sagen: „Zu Hause gibt es regelmäßig Streit, und ich fühle mich dort nicht sicher. Ich brauche ein vertrauliches Gespräch.“ Danach entscheidet ihr gemeinsam, welche Einzelheiten jetzt wichtig sind.

Falls Reden schwerfällt, schreibe vorher Stichpunkte auf. Halte fest, was passiert, wie oft es vorkommt und ob jemand bedroht oder verletzt wurde. Notiere außerdem, wo du heute Nacht sicher schlafen kannst und welche erwachsene Person erreichbar ist.

  • Schulsozialarbeit oder Vertrauenslehrkraft direkt ansprechen.
  • Nummer gegen Kummer unter 116 111 anrufen.
  • Beim Jugendamt den Allgemeinen Sozialen Dienst verlangen.
  • Eine Erziehungs- und Familienberatungsstelle kontaktieren.
  • Bei akuter Gefahr 112 oder die Polizei rufen.

Du darfst zu einem Gespräch eine vertraute Person mitnehmen. Bitte bei der Terminvereinbarung darum, wenn du dich allein unsicher fühlst. Speichere wichtige Nummern unter einem neutralen Namen, falls jemand dein Handy kontrolliert. Nutze ein fremdes Telefon, wenn deine Anrufliste überwacht wird.

Was Vertraulichkeit bedeutet

Frage am Anfang jedes Gesprächs nach den Grenzen der Vertraulichkeit. Fachkräfte erklären dir, welche Informationen sie ohne deine Zustimmung nicht weitergeben und wann sie handeln müssen, um dich oder jemand anderen vor ernsthafter Gefahr zu schützen.

Bei Beratungsangeboten kannst du häufig zunächst anonym nach dem Ablauf fragen. Für manche weiteren Hilfen werden jedoch dein Name, deine Adresse oder die Zustimmung von Sorgeberechtigten benötigt. Das kann enttäuschend sein, wenn du vollständige Geheimhaltung erwartet hast. Lass dir deshalb vor jeder Weitergabe sagen, wer welche Information erhält.

Wenn du befürchtest, dass ein Anruf zu Hause entdeckt wird, sage das sofort. Die Fachkraft kann mit dir einen sicheren Rückrufzeitpunkt und einen unauffälligen Kontaktweg vereinbaren. Lösche Nachrichten nur, wenn das deine Sicherheit erhöht. Bei Drohungen oder Mobbing können Screenshots und genaue Notizen später wichtig sein.

Ein erstes Gespräch verpflichtet dich nicht dazu, sofort jede vorgeschlagene Maßnahme anzunehmen. Bei einer akuten Kindeswohlgefährdung dürfen zuständige Stellen allerdings auch gegen den Wunsch einzelner Familienmitglieder Schutzmaßnahmen prüfen.

Was bei Gewalt, Drohungen oder Mobbing gilt

Bei unmittelbarer Gefahr zählt zuerst dein Schutz. Verlasse die Situation, wenn das gefahrlos möglich ist, und gehe zu Nachbarn, in ein Geschäft, zur Schule oder an einen anderen belebten Ort. Rufe 112 und nenne deinen Standort.

Versuche nicht, eine gewalttätige Person allein zu beruhigen. Stelle dich auch nicht körperlich zwischen zwei Menschen. Wenn du deine Geschwister mitnehmen kannst, ohne dich zusätzlich zu gefährden, nimm sie mit. Andernfalls sag dem Notruf, wer noch in der Wohnung ist.

Bei Mobbing sicherst du Nachrichten, Bilder und Sprachnachrichten. Schreibe Datum, Uhrzeit, Ort und mögliche Zeugen auf. Blockieren kann akute Angriffe reduzieren, doch Beweise sollten vorher gespeichert werden. Gib die Dokumentation an eine Lehrkraft oder Schulsozialarbeit und bitte um eine schriftliche Vereinbarung der nächsten Schritte.

Die Nummer gegen Kummer erreichst du unter 116 111 montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr kostenlos und anonym. Wenn du Suizidgedanken hast oder dich nicht sicher halten kannst, bleib bei einer vertrauenswürdigen Person und rufe 112. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar.

Wann medizinische oder psychotherapeutische Hilfe passt

Eine medizinische oder psychotherapeutische Abklärung ist sinnvoll, wenn Angst, Schlafprobleme, Rückzug oder starke Stimmungsschwankungen deinen Alltag deutlich beeinträchtigen. Familiäre Konflikte können parallel weiter mit einer Beratungsstelle bearbeitet werden.

Als ersten medizinischen Kontakt kannst du eine Kinder- und Jugendarztpraxis oder Hausarztpraxis wählen. Einen Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde bei einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oder einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten kannst du über die 116117 vereinbaren. Die Sprechstunde dient der Einschätzung. Danach können probatorische Sitzungen, eine Akutbehandlung oder andere Hilfen empfohlen werden.

Ein Termin für die psychotherapeutische Sprechstunde ist noch kein Therapieplatz. Frage mehrere Praxen nach freien Plätzen, Wartelisten und weiteren örtlichen Angeboten. Frage nach Wartelisten und weiteren örtlichen Angeboten. Eine Privatpraxis als Selbstzahler kostet eigenes Geld. Vor einem Termin sollte deshalb geklärt sein, wer den Vertrag schließt und die Rechnung übernimmt.

HelpClinic kann dir zwischen Gesprächen mit kurzen Übungen, Routinen und einem Stimmungstagebuch helfen, Gedanken zu strukturieren. Die App ist keine Therapie, kein Notdienst und kein Ersatz für eine Fachkraft. Schreibe jetzt den Namen einer erwachsenen Person auf, die du heute ansprechen kannst.

Häufige Fragen

wo bekomme ich vertrauliche hilfe bei familienproblemen?

Vertrauliche Hilfe bei Familienproblemen bekommst du bei Familienberatungsstellen, Jugendhilfe, Krisendiensten und spezialisierten Beratungsangeboten. Für einen ersten Kontakt musst du nicht die ganze Geschichte erzählen. Beschreibe knapp, wer betroffen ist, was gerade belastet und ob jemand gefährdet ist. Frage direkt, welche Informationen vertraulich bleiben und wann die Stelle handeln muss.

was tun bei gewalt oder drohungen in der familie?

Bei Gewalt oder konkreten Drohungen hat deine unmittelbare Sicherheit Vorrang. Verlasse die Situation, wenn das gefahrlos möglich ist, und wende dich an Polizei, Rettungsdienst, ein Frauenhaus oder eine andere örtliche Schutzstelle. Informiere eine vertraute Person und halte wichtige Unterlagen erreichbar. Konfrontiere die drohende Person nicht allein, wenn dadurch die Gefahr steigen könnte.

Welche professionelle Hilfe passt bei familiären Konflikten?

Die passende Hilfe richtet sich danach, ob es um Streit, Erziehungsfragen, Trennung, psychische Belastung oder Gewalt geht. Eine Familienberatungsstelle kann dein Anliegen zunächst einordnen und dich bei Bedarf weitervermitteln. Medizinische oder psychotherapeutische Unterstützung passt eher bei anhaltender starker Belastung. Bei Gewalt oder akuter Gefahr brauchst du zuerst eine Schutzstelle oder den Notdienst.